Deutschland stecke in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Deswegen müsse die Politik entschlossen handeln.

Deutschland stecke in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Deswegen müsse die Politik entschlossen handeln. (Foto: © ximagination/123RF.com)

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Über 100 Wirtschaftsverbände fordern bessere Rahmenbedingungen

Die deutsche Wirtschaft ist mit den Zwischenergebnissen der Koalitionsverhandlungen unzufrieden und appelliert an die Politik, für mehr Wachstum und Beschäftigung zu sorgen.

Im weltweiten Vergleich stehe die deutsche Wirtschaft mit schrumpfenden Zahlen schlecht da. Die Betriebe verlören im Standortwettbewerb weiter an Boden, während Deutschland an wirtschaftlicher Stärke einbüße. Das ist die Analyse von über 100 Wirtschaftsverbänden. Sie sind nicht einverstanden mit den Zwischenergebnissen der Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD. Nun wenden sie sich unter der Federführung der vier Spitzenverbände Zentralverband des Deutschen Handwerks, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Bundesverband der Deutschen Industrie und Deutsche Industrie- und Handelskammer an die Politik.

In den vergangenen Wochen habe sich die wirtschaftliche Lage dramatisch zugespitzt. "Handelskonflikte eskalieren, die Inflation steigt, das Wachstum schwächt sich weiter ab – überall verdichten sich die Krisensignale. Inzwischen ist die Arbeitslosigkeit bei der Drei-Millionen-Marke angekommen. Die Fakten sind unbestreitbar, Deutschland steckt in einer schweren wirtschaftlichen Krise", erklären die Verbände. Der Vergleich mit anderen Ländern zeige, dass diese Krise vor allem hausgemacht sei. "Deutschland hat nicht nur ein vorübergehendes, konjunkturelles, sondern insbesondere strukturelle Probleme."

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Union und SPD hätten die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt: "Ihre bisherigen Zwischenergebnisse sind unzureichend und tragen der sich zuspitzenden Lage in den Unternehmen und Betrieben nicht Rechnung. Was bislang vorliegt, ignoriert in vielen Bereichen die wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen", so der Kommentar der Wirtschaft. Neue Schulden seien allein kein Problemlöser. "Ohne tiefgreifende Reformen wird es keinen nachhaltigen Aufschwung geben. Und nur durch neues wirtschaftliches Wachstum können Arbeits- und Ausbildungsplätze gesichert werden." Die neue Bundesregierung müsse entschlossen handeln und die Weichen für mehr Wachstum und Beschäftigung stellen. 

Vor allem in den folgenden Bereichen müsse ein Koalitionsvertrag mehr Ambition zeigen:

  • Deutschland nimmt bei der Höhe der Steuerbelastung für Unternehmen und Betriebe mit rund 30 Prozent international eine Spitzenposition ein, was sich zu einem erheblichen Standortnachteil entwickelt hat. Die Steuerbelastung der Unternehmen und Betriebe muss spürbar reduziert werden. Ziel muss es sein, die derzeitige Steuerbelastung der Unternehmen – zumindest schrittweise – auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau von maximal 25 Prozent abzusenken.
  • Die sozialen Sicherungssysteme müssen dringend reformiert werden, um sie finanzierbar, zukunftsfest und generationengerecht zu gestalten. Für die Unternehmen und insbesondere lohnintensive Betriebe bedeuten steigende Beitragssätze ein Mehr an Belastung und eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit. Bei den Beschäftigten führen sie zu weniger Netto vom Brutto.
  • Der deutsche Staat muss schneller und effizienter werden. Die künftigen Koalitionspartner müssen dem Abbau von Bürokratielasten für die Wirtschaft höchste Priorität einräumen. Berichts- und Dokumentationspflichten müssen systematisch abgebaut werden. Auch zeitraubende und umständliche Planungs- und Genehmigungsverfahren verhindern Investitionen und bremsen Innovationen in der Wirtschaft. Sämtliche Verfahren müssen über alle Fachgesetze hinweg vereinfacht und verkürzt werden.
  • Hohe Energiekosten sind zu einem wesentlichen Wettbewerbsnachteil der deutschen Wirtschaft geworden. Der Standort Deutschland braucht daher wieder international konkurrenzfähige Energiepreise (Strom, Gas, Wasserstoff) und mehr Versorgungssicherheit. Neben kurzfristigen Maßnahmen zur finanziellen Entlastung der Energieverbraucher sind zudem massive strukturelle Reformen zwingend notwendig, um die Energiekosten dauerhaft zu senken.

Quelle: ZDH

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Text: / handwerksblatt.de

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