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HWK Münster | April 2025
Silberne Meisterbriefe für HWK-Prüfer
Im Rahmen der Meisterabschlussprüfung im Fleischerhandwerk erhielten drei Mitglieder des Meisterprüfungsausschusses ihre Silbernen Meisterbriefe.
17 Prozent der befragten Selbstständigen waren schon einmal Opfer eines Cyber-Angriffs. Ein Anstieg von drei Prozentpunkten gegenüber 2024. (Foto: © scyther5/123RF.com)
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April 2025
Selbstständige in Deutschland vernachlässigen ihren Versicherungsschutz. Gefahren durch Cyberangriffe, Krankheit oder Diebstahl werden erkannt, aber verdrängt. Das geht aus dem "VM-SI-Risikobarometer Selbstständige" hervor.
Viele Selbstständige in Deutschland machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Vor allem haben sie wenig Hoffnung, dass die künftige Bundesregierung ihre drängendsten Themen "Bürokratieabbau" und "Senkung der Steuerlast" in Angriff nehmen wird. Was ihr eigenes unternehmerisches Tun angeht, sind die Selbstständigen deutlich unbesorgter. Ein Versicherungsschutz wird von vielen Selbstständigen vernachlässigt.
Getreu dem rheinischen Motto "Et hätt noch emmer joot jejange" - also "es ist bisher doch immer alles gut gegangen" - unterschätzen sie Cyberrisiken und andere Risiken wie Krankheit oder Lieferkettenprobleme. Das ist das Ergebnis des aktuellen "VM-SI-Risikobarometers Selbstständige". Die repräsentative Studie wurde vom Versicherungsmonitor (VM), der digitalen Fachzeitung für die Versicherungsbranche, mit Unterstützung des Versicherers Signal Iduna beim Forschungsinstitut Infas Quo in Auftrag gegeben. Die Selbstständigen - darunter Freiberufler, Kreative, Berater oder Selbstständige im Handwerk - machen fast zehn Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland aus.
Seit drei Jahren verschlechterte sich laut der Umfrage die wirtschaftliche Lage der Selbstständigen kontinuierlich, berichtet Karsten John vom Marktforschungsinstitut Infas Quo. Rund der Hälfte der Befragten (51 Prozent) geht es laut der Umfrage aktuell noch gut oder sehr gut. 2023 waren es noch 57 Prozent. Damals seien allerdings viele Selbstständige auch froh gewesen, dass sie die Corona-Zeit überlebt hatten, so John.
Selbstständige mit mehreren Mitarbeitenden stehen aktuell besser da als Soloselbständige. Insgesamt blickten die Selbstständigen zum Zeitpunkt der Umfrage im Januar 2025 optimistisch in das neue Jahr. "Immerhin 40 Prozent sagten, dass sie von einem Wachstum ausgehen, das sind sechs Prozentpunkte mehr als noch im letzten Jahr", berichtet Karsten John.
Allerdings blicken viele Selbstständige auch mit Sorge auf das, was kommt: 22 Prozent der Befragten schätzen das Risiko einer existenziellen Gefahr als (sehr) hoch ein. Dies ist ein Anstieg von immerhin sieben Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr
Etwa jeder vierte der Befragten sieht derzeit keine großen Risiken.
An erster Stelle wird bei dieser Frage der Bürokratieabbau genannt. 59 Prozent der Befragten wünschen sich das. Gefolgt von niedrigeren Energie- und Rohstoffkosten (36 Prozent), einer besseren digitalen Infrastruktur (23 Prozent), der Absicherung von Risiken (23 Prozent) und besseren Finanzierungsbedingungen (22 Prozent).
Entsprechend wünschen sich die Selbstständigen von der neuen Bundesregierung vor allem einen Bürokratieabbau und schlankere Prozesse sowie niedrigere Steuern (jeweils 27 Prozent). Neun Stunden pro Woche verbringen die Selbstständigen mit Bürokratie. "Das ist eine Stunde mehr als noch vor einem Jahr", berichtet Herbert Fromme, Herausgeber des Versicherungsmonitors.
"Bürokratie ist eine massive Belastung für die Betriebe", sagt Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe. Er berichtet, dass allein im vergangenen Jahr die Zahl der Verordnungen von 79.000 auf 97.000 gestiegen sei. "In 966 Bundesbehörden sind 500.000 Menschen beschäftigt." Das mache den Bürokratieabbau so schwierig.
Auch im eigenen Betrieb beziehungsweise bei der eigenen Person sehen die Selbstständigen Risiken.
"Vor allem die Sorgen um einen Zahlungsausfall bei einem Auftraggeber und die Cyber- und Datenrisiken steigen seit 2023 kontinuierlich", berichtet Karsten John. Trotz dieser Sorgen sichern sich die Selbstständigen eher wenig vor diesen Risiken ab. "Die Absicherungsquote ist extrem niedrig", sagt John. "Auch die IT-Systeme sind wenig abgesichert. Nur 18 Prozent haben eine Virenschutz-Software. Die Selbstständigen leben hier sehr abenteuerlich."
Rund 60 Prozent der Befragten haben sich (noch) nicht gegen Krankheit, Unfall oder Berufsunfähigkeit abgesichert. Viele von ihnen seien über 55 Jahre alt und würden davon ausgehen, dass es bisher gut ging und auch in Zukunft gut geht. Gegen Cyber- und Datenrisiken haben sich erst 32 Prozent abgesichert (plus sieben Prozent). Ein weiteres Drittel hat vor, sich weiter abzusichern. Gegen die Risiken des Ausfalls von Maschinen oder Produktionsanlagen haben sich 18 Prozent abgesichert, drei Prozent mehr als noch 2024. Die häufigsten Maßnahmen hierfür sind laut der Umfrage der Abschluss einer Versicherung, Ersatz-Geräte und Backups.
Für Versicherungen ist hier ein großes Potenzial. "Gerade bei der Cyberversicherung tut Aufklärung not", betont der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna Gruppe Ulrich Leitermann. Bei großflächigen Cyberangriffen seien auch die kleinen Unternehmen mit von der Partie. "Cyberrisiken lassen sich gegen relativ kleines Geld absichern", berichtet Leitermann. 17 Prozent der befragten Selbstständigen waren schon einmal Opfer eines Cyber-Angriffs. Ein Anstieg von drei Prozentpunkten gegenüber 2024.
Immerhin: Die Hälfte der Selbstständigen in Deutschland hat laut des "VM-SI-Risikobarometers" eine Versicherung gegen betriebliche Risiken abgeschlossen, größere Unternehmen deutlich häufiger als kleine.
Selbstständige ohne eine solche Absicherung begründen das mit hohen Kosten oder fehlendem Bedarf.
Gefragt nach den politischen Rahmenbedingungen im Jahr 2025 sind die Selbstständigen eher pessimistisch. Sie rechnen mit steigenden Sozialabgaben, höheren Steuern und noch mehr Bürokratie und somit weiteren Belastungen für ihre unternehmerische Tätigkeit. Gerade die Bürokratie hemmt dann auch die Unternehmensnachfolge.
Trotz der äußeren Umstände würden sich 89 Prozent der Befragten wieder selbstständig machen. John: "Selbstständige leben auf der Rasierklinge, das aber mit viel Enthusiasmus."
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